Axel Loytved

4. Kunstflâneur ’26

Was ich beim Kunstflânieren besonders schätze, ist das zufällige Entdecken von Kunstwerken im öffentlichen Raum. Besonders, wenn sich die Arbeiten nicht monumental und dominant präsentieren, sondern sich erst auf den zweiten Blick als Kunst entlarven. Kleine Veränderungen, Ergänzungen oder Verfremdungen bekannter Objekte, die mich irritieren oder deren Absurdität mich sogar zum Schmunzeln bringt. Dies passierte, als ich vom Neuen Wall in die Stadthöfe ging und eine undefinierbare Form aus Bronze mit türkisblauer Patina im ansonsten einheitlichen Pflastersteinboden entdeckte.

Die Arbeit „Weg/Stadthöfe Hamburg“ ist eine Intervention des Hamburger Künstlers Axel Loytved (*1982), die er 2020 schuf. Der Bronzeguss erstreckt sich über eine Fläche von 800 x 100 cm im Innenhof des Palaishofs der Stadthöfe, jedoch nicht auf dem direkten Weg zwischen zwei Durchgängen. Ein natürlich entstandener Trampelpfad kann es also kaum sein. Tatsächlich übernahm Loytved von einem anderen Ort die maßstabsgetreue Abformung eines innerstädtischen Trampelpfads, wie er häufig auf begrünten Flächen entsteht, indem Menschen den kürzesten Abstand zwischen zwei Punkten wählen. Etwas absurd: Ein Trampelpfad aus Bronze?

Diese sensible Umformung eines wertlosen „Funds“ in ein hochwertiges Material finde ich spannend; sie regt mich zum Nachdenken an. Aus Bronze entstehen sonst Heldenstatuen und Herrscherbüsten. Als Material verleiht sie dem Trampelpfad eine neue Wertigkeit und Würdigung, der sinnbildlich auch für die kleinen Risse und Brüche steht, die sich im scheinbar bis ins letzte Detail geplanten städtischen Raum durch menschliches Handeln und das Sich-Widersetzen entsteht.
Die Arbeit wurde als Kunst am Bau-Projekt für die Stadthöfe entwickelt, aus denen ich bereits zwei weitere Werke empfohlen habe: von Suse Bauer und Tintin Patrone.

Aktuell sind Arbeiten von Axel Loytved in der Gruppenausstellung "cordially invited" in der Galerie Mathias Güntner auf der Fleetinsel zu sehen. Neben seiner künstlerischen Arbeit betreibt Loytved seit 2006 den Kunstverein St. Pauli mit und ist seit 2022 Professor an der Muthesius Kunsthochschule, Kiel.

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