Sabine Mohr

5. Kunstflâneur ’26

Der 10. Meridian Ost verläuft vom Nordpol direkt durch Hamburg bis zur Antarktis am Südpol - und führt dabei durch die Hamburger Innenstadt vom Jungfernstieg bis in die HafenCity.
Dieser Längengrad war Thema eines offenen künstlerischen Wettbewerbs, den die Kulturbehörde anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums des Programms „Kunst im öffentlichen Raum“ im Jahr 2006 ausschrieb. Für „10° Kunst: Wege in die HafenCity“ sollten die teilnehmenden Künstler:innen aus der Metropolregion mit ästhetischen Strategien Passant:innen von der Innenstadt zu einem Besuch der HafenCity motivieren und damit „das europaweit einzigartige citynahe Stadtentwicklungsgebiet stärker ins Bewusstsein der Hamburger:innen und ihrer Gäste rücken“. Vor 20 Jahren befand sich die HafenCity noch in der Anfangsphase: Die ersten Mieter:innen waren gerade erst eingezogen, und die Elbphilharmonie war noch eine Vision.
Aus 65 Einsendungen wählte eine Jury vier Gewinnerarbeiten aus. Die Preisträger:innen waren Frauke und Susanne Dettmann, Ute Kühn, Sabine Mohr, Laura I. Sünner und Carsten Rabe.

Die beiden Künstlerinnen Sabine Mohr und Laura I. Sünner wählten für ihre Arbeiten die doppelstöckige Kibbelstegbrücke, die die Innenstadt mit der historischen Speicherstadt und der HafenCity verbindet. Sünner nutzte den oberen Steg der Fußgängerbrücken; dort entstand die Bodenarbeit „FlussLAUF“. Aus blauen Gummi-Bodenplatten wurden Wörter und Begriffe wie „Land in Sicht“ oder „Uferlos“ ausgestanzt und in den Boden integriert.
Sabine Mohr erhellte dagegen den dunklen unteren Weg mit ihrer türkis leuchtenden Neoninstallation „FLUSSlauf“, die unter der Brückenkonstruktion installiert wurde. Die zwei Meter breite und zwölf Meter lange handgefertigte Neonarbeit bildete den gesamten Flusslauf der Elbe von der Quelle bis zur Mündung ab. Das Kunstwerk schuf auf der Querung eine signifikante Beleuchtung und erzeugte zudem eine besondere Atmosphäre durch das Schillern in der Elbe.
Nach einigen Monaten wurde die Lichtinstallation abgebaut, weil sie die Dominanz anderer blauer Projekte störte. Seitdem erleuchtet „FLUSSlauf“ die Aula des Gymnasiums Hummelsbüttel.

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Axel Loytved