Katharina Kohl

11. Kunstflâneur ’26

Am 27. Juni 2001 wurde der 31-jährige Süleyman Taşköprü in seinem Geschäft in der Schützenstraße in Hamburg-Bahrenfeld mit drei Schüssen aus zwei verschiedenen Waffen von Mitgliedern des rechtsextremen NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) ermordet. In diesem Monat jährt sich die rassistische Tat zum 25. Mal.

Die Hamburger Künstlerin Katharina Kohl (*1966) befasst sich seit 2012 mit dem NSU und den staatlichen Ermittlungen zum NSU-Komplex. Mit ihrer Graphikserie „Gedächtnislücken“ (2018) hinterfragt sie die behördlichen Ermittlungen zum NSU-Komplex sowie deren Aufarbeitung. Dafür hat sie Protokollseiten der Zeugenvernehmungen des 2. Untersuchungsausschusses (Deutscher Bundestag / 17. Wahlperiode), der im Jahr 2012 eingesetzt wurde, entnommen und in einem speziellen Druckverfahren geschwärzt. Nur die Textstellen, an denen sich die Zeugen aus den Behörden nicht erinnern konnten oder wollten, blieben frei lesbar: „Ist mir auch nicht erinnerlich“ / „Bei mir ist sozusagen ein Erinnerungssumpf“ / „Nach meiner Erinnerung kann ich mich wohl nicht mehr konkret erinnern“ / „Aber ist mir jetzt im Moment nichts erinnerlich - nichts“ sind als Gedächtnislücken in ihrer Vielzahl markant. Sie stammen von Mitarbeitenden von Verfassungsschutz, Polizei, Bundeskriminalamt und Militärischem Abschirmdienst.

In den nächsten Wochen, 25 Jahre nach dem rassistischen Mord an Süleyman Taşköprü, werden diese Grafikblätter von Katharina Kohl als Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekt realisiert, um daran zu erinnern und um das staatliche Versagen in den Ermittlungen zum NSU-Komplex in die Öffentlichkeit zu bringen. Im gesamten Hamburger Stadtraum werden auf Litfaßsäulen, in Magazinen, in Social Media und auf der eigenen Website die Lücken der Aufklärung im NSU-Komplex in den öffentlichen Raum getragen.

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Peter Nagel