Annette Kelm
12. Kunstflâneur ’26
Annette Kelm (*1975) zeigt im Rahmen der Ausstellung “FIRE” Arbeiten aus ihrer Serie „Die Bücher“. In rund 100 Werken widmet sie sich jenen Büchern, die vom nationalsozialistischen Regime zwischen 1933 und 1945 als „undeutsch“ sowie als „schädliches und unerwünschtes Schrifttum“ verfehmt, verboten und verbrannt wurden. Bereits 100 Tage nach der Machtübernahme durch die rechtsextreme NSDAP fanden am 10. Mai 1933 in ganz Deutschland, auch in Hamburg, öffentliche Bücherverbrennungen statt - darunter Werke von Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Erich Kästner, Irmgard Keun, Helene Stöckers und Kurt Tucholsky.
Die an der HFBK Hamburg studierte Künstlerin fotografierte die Einbände dieser Originalausgaben, darunter „LIEBE“ von Helene Stöcker (gestaltet vom Künstler John Heartfield), „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin und „Mann ist Mann“ von Bertolt Brecht. Mit ihrer bewusst reduzierten fotografischen Inszenierung rückt sie die Bücher selbst in den Mittelpunkt und holte sie in die Gegenwart zurück. Zwölf dieser Arbeiten befinden sich in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle.
Für die Ausstellung FIRE wurden die musealen Werke als 70 x 100 Zentimeter große Poster für den Außenraum produziert und an einer Wand der Kirchenruine präsentiert. So kehren die Bücher symbolisch in den öffentlichen Raum zurück, aus dem sie einst gewaltsam entfernt wurden.
„Mit der Arbeit möchte ich eigentlich erreichen, dass man nicht diese brennenden Scheiterhaufen vor Augen hat, wenn es um die Bücherverbrennung geht, sondern die Bücher an sich erinnert“, sagt Annette Kelm. Denn jedes Buch sei ein Triumph – ein überdauertes Exemplar, das eigentlich vernichtet werden sollte.